Frechen besitzt in der Innenstadt eine brach liegende Grünfläche für eine schöne neue nutzbare Parkanlage an St. Audomar

  • Wir haben es schon immer gewusst, Frechen ist nicht nur eine Ansammlung von Häusern um die Gleise der Linie 7 herum und an der Seite mit einem Sportpärkchen. Frechen besitzt in der Innenstadt eine brach liegende Parkanlage an St. Audomar. Eine Grünfläche, die dem Stadtbild eine kleine Chance auf einen etwas schöneren Anblick geben könnte. Doch wie kam es zu diesem plötzlichen Lichtblick? Aufmerksam verfolgte ich vor einigen Wochen einen Bericht im Lokalteil des Kölner Stadtanzeigers über den historischen Friedhof in Frechen an der Kirche St. Audomar.


    Quelle: Kölner Stadtanzeiger

    Für Ortsunkundige sei zum besseren Verständnis dieses Artikels kurz folgendes zum Stadtbild von Frechen festgestellt:

    - die Stadt Frechen besitzt in der Innenstadt keine öffentlichen Parkanlagen
    - sucht man bei Google nach "Historischer Friedhof St.-Audomar" so erhält man leider eine falsche Ortsangabe. Google vertauscht den tatsächlich offenen Friedhof (X) mit der Grünfläche auf der der historische Friedhof (O) liegt:



    - die Grünanlage, die als historischer Friedhof Frechen bekannt ist, ist aus meiner Sicht ästhetisch überhaupt nicht schön anzusehen. Gehe ich hindurch, so erscheint mir das Ganze deplaziert und es beschleicht mich das Gefühl, als würden die Grabsteine unwürdig vor sich hin rotten. Dies belegen meiner Meinung nach die folgenden Bildeindrücke der Grünfläche:



    - Hindurch führt ein Weg über eine Strasse hinweg zum eigentlichen geöffneten Friedhofsgelände der Stadt Frechen:




    Zurück, zum wesentlichen, dem Artikel des Kölner Stadtanzeigers. Nach der Lektüre dachte ich mir, ist das tatsächlich kein Friedhof mehr? Alle Äusserlichkeiten lassen es nicht vermuten. Da es mich interessierte, fragte ich bei der Stadtverwaltung der Stadt Frechen per E-Mail nach.

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    aus einem Beitrag des Kölner Stadtanzeigers aus der letzten Woche habe ich entnommen, dass die Rasenfläche vor St. Audomar, auf dem der alte Friedhof der Stadt Frechen angesiedelt war, als Parkanlage ausgewiesen ist. In welchen Zuständigkeitsbereich fällt die Grünanlage? Den der Stadt Frechen oder der Kirchengemeinde?

    Wenn ersteres der Fall ist, möchte ich gerne wissen, ob auf absehbare Zeit geplant ist, die Parkfläche zu verschönern und als Parkfläche für uns Bürger nutzbar zu machen?

    Dort wäre meiner Meinung nach eine ideale Fläche für einen kleinen Kinderspielplatz und ein paar Sitzbänke gegeben. Die historischen Grabsteine ließen sich sicherlich in einer gepflegten Umgebung auf dem eigentlichen Friedhofsgelände besser präsentieren, als es jetzt der Fall ist.

    Generell gibt es in der Innenstadt ja leider bislang keine nennenswerten "schönen" öffentlichen Park- oder Grünflächen. Es wäre schön wenn sich hier etwas positiv verändert.Über eine Antwort freue ich mich.

    Freundliche Grüße

    Christian Rachny


    Wenige Tage später erhielt ich eine ausführliche Antwort von einem Mitarbeiter der Stadtverwaltung.

    Sehr geehrter Herr Rachny,

    vielen Dank für Ihre Mail, die mir zuständigkeitshalber zur Bearbeitung weitergeleitet wurde.

    Wie Sie richtig feststellen, handelt es sich bei der angesprochenen Anlage um eine öffentliche Grünanlage. Es handelt sich hierbei um den ehemals "alten" Teil des Friedhofes St. Audomar unmittelbar an der gleichnamigen Kirche. Das Grundstück befindet sich im Eigentum der Stadt Frechen und wird auch entsprechend von der von mir mit der Aufgabe "Grünflächenpflege" beauftragten Stadtbetrieb Frechen GmbH (SBF) unterhalten und gepflegt.

    Bereits im Jahr 1969 wurde durch die politischen Gremien (Rat und Ausschüsse) beschlossen, dass dieser Friedhofsteil nicht mehr weiter für Beeerdigungen zur Verfügung stehen soll. Eine entgültige Außerdienststellung des Friedhofes erfolge Ende der 1990er Jahre, nachdem die letzten Ruhefristen abgelaufen waren. Erst danach erfolgte eine Widmung als "öffentliche Grünfläche". Die "Widmung" ist eine sachbezogene Allgemeinverfügung, durch die Liegenschaften die öffentliche Eigenschaft erhalten. Aus den mir vorliegenden Unterlagen aus 1969 geht jedoch auch hervor, dass die Friedhofsfläche nach einer Schließung und Entwidmung zu einem späteren Zeitpunkt (also wie geschehen) grundsätzlich in Ihrer Gesamtheit erhalten bleiben und nicht verändert werden soll. Auch in den Unterlagen zur Widmung sind entsprechene Hinweise auf die "Unveränderlichkeit" der Gesamtanlage zu finden.

    Die Möglichkeit der Anlage eines Spielplatzes ist daher auf dem genannten, alten und ehemaligen Teil des Friedhofes St. Audomar leider nicht möglich.

    Bei Fragen stehe ich gerne zur Beantwortung zru Verfügung und verbleibe

    Mit freundlichen Grüßen

    Im Auftrag
    (..)


    Ich halte zusammengefasst fest:

    - Das Grundstück des historischen Friedhofs St. Audomar ist Eigentum der Stadt Frechen
    - Die Verwendung als Friedhof wurde Ende der 1990er Jahre beendet.
    - Nach Ratsbeschlüssen der Stadtverwaltung ist die Fläche nunmehr als "öffentliche Grünfläche" deklariert.
    - Es wurde 1969 beschlossen diese Grünfläche unberührt zu belassen. Kurz: Es wurde vor 45 Jahren beschlossen dort alles vergammeln zu lassen.

    Da es sich hierbei um einen Beschluss des Frechner Stadtrats handelt, dachte ich mir:"hey, es ist bald Kommunalwahl". Was sagen denn die zur Aus(wahl) stehenden Parteien zu dem Thema und meinen Vorschlägen? Kurz in die Wahlergebnisse von 2009 geschaut wer realistische Gestaltungsaussichten hat:



    Also habe ich bei den drei großen Parteien (in alphabetischer Reihenfolge) nachgefragt.

    - Bündnis 90 / Die Grünen
    - CDU
    - SPD

    Mein Schreiben vom 03.04.2014 per E-Mail:

    Fragen zur ungenutzten Grünfläche "historisches Friedhofsgelände" an St. Audomar

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    aus einem Beitrag des Kölner Stadtanzeigers habe ich entnommen, dass die Rasenfläche vor St. Audomar, auf dem der alte Friedhof der Stadt Frechen angesiedelt war, als Parkanlage ausgewiesen ist und in den verwaltungsrechtlichen Zuständigkeitsbereich für Grünflächen der Stadt Frechen fällt.

    Das hierfür zuständige Amt für Stadtreinigung, Grün und Umwelt teilte mir mit, dass bereits im Jahr 1969 von den politischen Gremien (Rat und Ausschüsse) beschlossen wurde, dass dieser Friedhofsteil nicht mehr weiter für Beerdigungen zur Verfügung stehen soll. Eine endgültige Außerdienststellung des Friedhofes erfolge Ende der 1990er Jahre, nachdem die letzten Ruhefristen abgelaufen waren. Danach erfolgte eine Widmung als "öffentliche Grünfläche".

    Hiernach ist somit festzuhalten, dass die einzige größere Grünfläche in der frechener Innenstadt seit nunmehr fast 25 Jahren (!) ungenutzt bleibt und die historischen Grabsteine, statt in gepflegter Umgebung auf dem eigentlichen Friedhofsgelände, in einer verwilderten öffentlichen Anlage ausgestellt sind.

    Im Zuge der nun bevorstehenden Kommunalwahl habe ich folgende Fragen an Sie:

    - Welche Zeit- und Finanzplanung stellen Sie sich vor, um die angesprochene Grünfläche als Parkanlage (mit Sitzbänken und Kinderspielplatz) für uns Bürgerinnen und Bürger nutzbar zu machen und somit der Wertanhebung der umliegenden Wohn- und Geschäftsflächen beizutragen?

    - Wie stehen Sie zu der Situation, dass es bislang keine öffentlichen Park- oder Grünflächen in der Innenstadt für uns Bürgerinnen und Bürger zur Verfügung stehen?

    In der genannten Grünanlage sehe ich großes Potential unsere Innenstadt für Bewohner und Gewerbetreibende attraktiver zu gestalten.

    Gerne erwarte ich Ihre Antwort per E-Mail.

    Mit freundlichen Grüßen

    Christian Rachny


    Am 15.04.2014 erhielt ich nun die erste Antwort von der CDU-Fraktion:

    Sehr geehrter Herr Rachny,

    vielen Dank für Ihre Anregung, den Friedhof an St. Audomar in einen öffentlichen Park umzuwandeln.

    Wir werden Ihre Anregung in der Fraktion diskutieren.

    Viele der Denkmale auf diesem Friedhof sind Teil der Geschichte und stehen unter Denkmalschutz.

    Vielleicht lässt sich ja eine Lösung finden, die dann sicherlich folgende Ziele erfüllen müsste:

    1. Wahrung der Würde des ehenaligen Friedhofs
    2. Sicherung der historischen Momente
    3. Schaffung eines Wegesystems für die Erholungsuchende Frechener Bevölkerung

    Wir werden Ihre Anregung unter Hinzuziehung von Experten (Denkmalschutz, Grünflächenamt) diskutieren und Sie informieren, sobald wir zu einem Ergebnis gekommen sind.

    Mit freundlichen Grüßen
    (..)


    Zusammenfassung der Aussage der CDU vom 15.04.2014:
    - Mit dem aktuellen Sachstand der Grünfläche und den vorangegangenen Beschlüssen des Stadtrats wurde sich offensichtlich nicht befasst.
    - Es wird in der Fraktion über einen nicht mehr existierenden Friedhof gesprochen.
    - Es wird in der Fraktion mit Experten über einen nicht mehr existierenden Friedhof gesprochen.
    = voraussichtliches Ergebnis: Nix

    Hierauf sendete ich eine Nachfrage an die CDU-Fraktion der Stadt Frechen:

    Ihre Antwort vom 15.04.2014 auf mein Schreiben
    Hier: Fragen zur ungenutzten Grünfläche "historisches Friedhofsgelände" an St. Audomar

    (..)

    vielen Dank für Ihre Antwort auf meine Anfrage von Anfang April.

    Es handelt sich bei der besagten Fläche an St. Audomar laut Ratsbeschlüssen aus den letzten 45 Jahren bereits um eine ausgewiesene Grünfläche und nicht mehr um einen Friedhof. Hierüber muss demzufolge nicht mehr diskutiert werden.

    Ich würde mich daher über eine auf meine Anfrage eingehende Antwort sehr freuen.

    Zurzeit schreibe ich an einer neuen Kolumne meines Internetblogs über Frechen und beginne mit einem Bericht über die brachliegende Fläche an St. Audomar. Meine Anfrage habe ich auch an andere größere Fraktionen des Frechener Stadtrats geschickt und werde den Verlauf in meiner Kolumne veröffentlichen. Den aktuellen Sachstand können Sie über den angegebenen Internet-Link am Ende meiner Nachricht verfolgen.

    Vielen Dank für Ihrer Mühe im Voraus.

    Mit freundlichen Grüßen

    Christian Rachny
    (..)

    Anlage
    Link zum Artikel: (..)



    Weitere Tage strichen ins Land, doch von einer Antwort der Grünen und der SPD fehlte leider weiterhin jede Spur. Also beschloss ich nach meinem erfolglosen E-Mail-Versuch mein Glück auf dem altmodischen FAX-Wege zu versuchen.

    Meine Anfrage an die Stadtratsfraktion Bündnis 90 / Die Grünen und der SPD vom 28.04.2014:

    Fragen zur ungenutzten Grünfläche "historisches Friedhofsgelände" an St. Audomar

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    am 03.04.2014 schickte ich Ihnen eine Anfrage über Ihre angegebene Kontaktmöglichkeit (..) auf Ihrer stadtbezogenen Internetseite. Leider blieb diese Ihrerseits bislang unbeantwortet. Bislang erhielt ich nur von der CDU-Fraktion eine Rückmeldung und rufe mein Anliegen nun per Fax höflich in Erinnerung:

    Aus einem Beitrag des Kölner Stadtanzeigers habe ich entnommen, dass die Rasenfläche vor St. Audomar, auf dem der alte Friedhof der Stadt Frechen angesiedelt war, als Parkanlage ausgewiesen ist und in den verwaltungsrechtlichen Zuständigkeitsbereich für Grünflächen der Stadt Frechen fällt.

    Das hierfür zuständige Amt für Stadtreinigung, Grün und Umwelt teilte mir mit, dass bereits im Jahr 1969 von den politischen Gremien (Rat und Ausschüsse) beschlossen wurde, dass dieser Friedhofsteil nicht mehr weiter für Beerdigungen zur Verfügung stehen soll. Eine endgültige Außerdienststellung des Friedhofes erfolge Ende der 1990er Jahre, nachdem die letzten Ruhefristen abgelaufen waren. Danach erfolgte eine Widmung als "öffentliche Grünfläche".

    Hiernach ist somit festzuhalten, dass die einzige größere Grünfläche in der frechener Innenstadt seit nunmehr fast 25 Jahren (!) ungenutzt bleibt und die historischen Grabsteine, statt in gepflegter Umgebung auf dem eigentlichen Friedhofsgelände, in einer verwilderten öffentlichen Anlage ausgestellt sind.

    Im Zuge der nun bevorstehenden Kommunalwahl habe ich folgende Fragen an Sie:

    - Welche Zeit- und Finanzplanung stellen Sie sich vor, um die angesprochene Grünfläche als Parkanlage (mit Sitzbänken und Kinderspielplatz) für uns Bürgerinnen und Bürger nutzbar zu machen und somit der Wertanhebung der umliegenden Wohn- und Geschäftsflächen beizutragen?

    - Wie stehen Sie zu der Situation, dass es bislang keine öffentlichen Park oder Grünflächen in der Innenstadt für uns Bürgerinnen und Bürger zur Verfügung stehen?

    In der genannten Grünanlage sehe ich großes Potential unsere Innenstadt für Bewohner und Gewerbetreibende attraktiver zu gestalten.

    Gerne erwarte ich Ihre Antwort per E-Mail oder per Post.

    Mit freundlichen Grüßen

    Christian Rachny
    (..)



    Hierbei warte ich nun noch auf die zwei ausbleibenden Rückmeldung, die ich oberhalb meines Fazits veröffentlichen werde.

    Aussage Bündnis 90 / Die Grünen: noch ausstehend

    Aussage SPD: noch ausstehend


    Fazit:

    Die Antwort der CDU fällt gemäß meiner Erwartungshaltung ohne konkrete Zielaussagen aus, leider ist sie zudem inhaltlich schlichtweg falsch, so dass ich hier noch einmal nachfragen musste.

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